Briefmarken für Bethel

 
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Eine Mütze voll für 50 Pfennig

Die Briefmarkenstelle in Bethel

Die erste Briefmarke wurde 1840 in England verkauft. Die kleinen zackigen Briefaufkleber weckten bald das Interesse vieler Menschen, nicht bloß zum Frankieren der Post. Eine Sammelleidenschaft brach aus und legte damit den Grundstein für die Einrichtung einer Briefmarkenstelle in Bethel.

Die Anfänge

Die Idee der Briefmarkenstelle geht in Bethel auf Friedrich von Bodelschwingh zurück. Zu ihrer Anfangszeit gibt es nur wenige Informationen. Es ist davon auszugehen, dass schon vor 1888 Briefmarken in Bethel gesammelt worden sind. Da aus dieser Zeit allerdings nichts bekannt ist, hat man das erste erhaltene Dokument über die Briefmarkenstelle, einen Schriftwechsel, zum Anlass genommen, das Jahr 1888 als Gründungsjahr der Briefmarkenstelle Bethel festzulegen. Der Schriftwechsel verhieß allerdings nichts Gutes: Der neue Leiter der Einrichtung Oscar Boljahn beklagte sich über den traurigen Zustand der Briefmarkenstelle. Bei der Übernahme des Geschäftes hatte er festgestellt, dass Aufträge von seinem Vorgänger nicht bearbeitet wurden und der Markenvorrat zu klein war, um damit die hohe Nachfrage zu decken.

Aber Oscar Boljahn ließ sich nicht entmutigen und bewies Geschäftstüchtigkeit. Er überlegte sich Wege, wie er durch Bittbriefe Markenspender und durch Inserate Kunden bekommen könnte. Der Erfolg gab ihm recht: Bereits ein halbes Jahr später schrieb Oscar Boljahn in einem Jahresrückblick, dass die Zahl der Briefmarken-Abnehmer gestiegen sei. Es war ihm gelungen, genügend Markenvorrat anzulegen und neue Sammler zu gewinnen: Von Juni bis Dezember 1888 wurden in 369 Sendungen 18.262 Briefmarken an 232 Personen und außerdem 147 Kilogramm Marken an sechs Sammler verkauft.

Von 1894 bis 1896 erscheint jährlich ein umfangreicher Briefmarkenkatalog, in dem die Marken zum Verkauf angeboten werden.
Von 1894 bis 1896 erscheint jährlich ein umfangreicher Briefmarkenkatalog, in dem die Marken zum Verkauf angeboten werden.
Seit 125 Jahren arbeiten in der Briefmarkenstelle Bethel Menschen mit Behinderung.
Seit 125 Jahren arbeiten in der Briefmarkenstelle Bethel Menschen mit Behinderung.

Vom Briefmarkengeschäft zum Markenhaus

Im Jahr 1892 löste der Missionskaufmann Johannes Krapf Oscar Boljahn als Leiter der Briefmarkenstelle Bethel ab. Drei Jahre später bezog das Briefmarkengeschäft ein eigenes Haus, das „Markenhaus“. Die Bethel-Historikerin, Beate Böhm, vermutet, dass es sich dabei um die alte Bethel-Kanzlei am Königsweg handeln könnte. 20 Menschen mit Behinderung waren im Markenhaus beschäftigt. Sie sortierten, wuschen und verschickten gespendete Briefmarken an Sammler.

Jedoch war das Markenhaus bald umstritten. In einem Brief an den Vorstand schrieb Johannes Krapf 1896. „Es werden mir seit zwei Jahren von verschiedenen Seiten Vorwürfe gemacht, dass ich ein Kapital von 20.000 bis 25.000 Mark in leichtsinniger Weise in Briefmarken begraben und dadurch der Anstalt entzogen habe. Da leider außer mir sonst niemand eine genaue Einsicht, in das Geschäft haben kann (…), so wird mir die moralische Verantwortung unerträglich“, erklärte der Leiter der Briefmarkenstelle und bat darum, die Rechte am Markenhaus zu kaufen.

Zwei Jahre später wurde der Verkauf abgeschlossen. Johannes Krapf ließ sich mit seinem Geschäft in Freiburg nieder, wann genau, ist unbekannt. An Bethel gespendete Briefmarken wurden nun in der Brockensammlung Bethel, die Sachspenden verkaufte, gesammelt und weiterhin von Menschen mit Behinderung aufbereitet. Von dort bezog Johannes Krapf die Marken und verkaufte sie an Sammler.

Aber bald wuchs in Bethel wieder der Wunsch nach einer eigenen Briefmarkenstelle, sodass 1909 ein neues Markenhaus öffnete, über den Standort ist allerdings nichts bekannt. Doch auch diese Institution sollte nicht lange bestehen. Es wird vermutet, dass auch die neue Briefmarkenstelle spätestens im Ersten Weltkrieg aufgelöst wurde.

Die gespendeten Briefmarken werden in Bethel von Menschen mit Behinderung sortiert.
Die gespendeten Briefmarken werden in Bethel von Menschen mit Behinderung sortiert.
Für den Verkauf als Kiloware werden die Briefmarken von den Beschäftigten gewogen.
Für den Verkauf als Kiloware werden die Briefmarken von den Beschäftigten gewogen.

Die Kisten-Jahre und die Neueröffnung der Briefmarkenstelle

Viele Jahre wurden die Briefmarken nur in einer Kiste in der Brockensammlung aufbewahrt. Niemand sortierte oder reinigte sie. Herausgenommen wurden die Marken nur zum direkten Verkauf: eine Handvoll für 20 Pfennig, eine Mütze voll für 50 Pfennig. In den 1930er Jahren holte Pastor Curt Ronicke die gespendeten und unbearbeiteten Briefmarken in den damaligen Dankort. Ein Bewohner des Hauses Libanon in Bethel sichtete und verkaufte die Briefmarken in dieser Zeit.

Erst im Jahr 1946 wurde wieder mit der Aufbereitung der Briefmarken begonnen: Menschen mit Behinderung sortierten und reinigten die Postwertzeichen in der Briefmarkenstelle  hinter dem Pförtnerhäuschen. Der neue Leiter der Briefmarkenstelle Hermann Haugk fing gemeinsam mit Bewohnern des Hauses Tabor mit dem Sortieren und dem Vorbereiten für den Verkauf an. Bis 1962 leitete Hermann Haugk die Briefmarkenstelle, sein Nachfolger wurde dann Robert Westerheider, der 27 Jahre der Briefmarkenstelle treu blieb. 1990 übernahm Diakon Karl-Heinz Demuth die Leitung der Briefmarkenstelle.

20 bis 30 Pakete kamen pro Tag an und 35 Menschen waren in der Briefmarkenstelle in Bethel beschäftigt. Allerdings wurde ein  erheblicher Teil der Einsendungen auch an andere Häuser zum Beispiel in Eckardtsheim oder Freistatt weitergeleitet, wo weitere schwerbehinderte Menschen so eine Beschäftigung fanden.

Heute sind 125 Menschen mit Behinderung mit der Aufbereitung von Briefmarken beschäftigt. Jeden Werktag kommen mehr als 400 Pakete, Päckchen und Briefe mit Marken in der Briefmarkenstelle an. Jährlich sind es 29 Tonnen. „Wir bekommen heute mehr Briefmarken als früher“, sagt Diakon Hans-Werner Mohrmann, der seit Anfang 2001 die Briefmarkenstelle leitet. „Die Briefmarken aus Bethel haben einen guten Ruf.“

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Blick in die Vergangenheit:

Die Briefmarkenstelle in historischen Bildern.

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