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30.01.2020

Sammler Hanns-Jörg Eckert feiert 90. Geburtstag


Freuen sich über jede gespendete Briefmarke: Hanns-Jörg Eckert (l.) und Andreas Husemann. Foto: Lena Riekhoff

Millionen Briefmarken in Bananenkisten gespendet

Mit einer doppelten Briefmarke fing alles an. Hanns-Jörg Eckert hatte 1963 begonnen, eine eigene kleine Briefmarkensammlung anzulegen. Nur stellte sich schnell die Frage: Wohin mit den überzähligen Marken, die bereits in der Sammlung existierten? Die Lösung war ebenso einfach wie genial. Der Philatelist sammelte fortan so viele doppelte Marken wie möglich und schickte sie nach Bethel. Jetzt wurde Hanns-Jörg Eckart 90 Jahre alt.

Mit einem Präsentkorb und einem Glückwunschschreiben von Bethels Vorstandsvorsitzendem Pastor Ulrich Pohl war Andreas Husemann, Leiter der Briefmarkenstelle Bethel, persönlich nach Dülmen gefahren, um Hanns-Jörg Eckart zu gratulieren. Und natürlich, um Danke zu sagen für Millionen Briefmarken, die in den vergangenen Jahrzehnten zusammengekommen sind. „Ich kenne niemanden, der in dieser Größenordnung sammelt, das ist wirklich einzigartig“, sagt Andreas Husemann.

„Ich habe die doppelten Briefmarken anfangs in einen Kasten geschmissen. Und als der voll war, habe ich mich umgehört, wer in Deutschland Briefmarken brauchen kann“, erinnert sich Hanns-Jörg Eckart an die Anfänge. Bei seiner Recherche stieß er auf die Briefmarkenstelle Bethel, die die meisten Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen anbot. „Das hatte mich überzeugt“, erzählt er.

Richtig Fahrt nahm die Sammeltätigkeit mit Beginn der Rente auf. Nach einem langen und abwechslungsreichen Berufsleben in der Landwirtschaft, als Heimleiter in der Jugendhilfe und als Versicherungsmakler war Hanns-Jörg Eckert mit seiner Frau in Dülmen sesshaft geworden. Unter dem Dach des Hauses sammelte er in großen Bananenkisten die Marken für Bethel. Und zählte sie sorgsam. Im ersten Jahr waren es 9.000, im zweiten schon 18.000, bis es irgendwann eine Million Marken jährlich waren. Natürlich kamen diese Marken nicht über die eigene Post im Briefkasten zusammen. „Ich habe Gott und die Welt angesprochen“, berichtet der Sammler. Hunderte Spender in ganz Deutschland unterstützten sein Anliegen und tun es weiterhin. „In manchen Orten bin ich richtig berühmt. Da kommt der Briefmarken-Opa, heißt es dann“, erzählt der 90-Jährige.

Immer, wenn 15 Kisten gefüllt waren, rief Hanns-Jörg Eckert in Bethel an, dass die Marken abgeholt werden könnten. „Die Kollegen und ich waren immer begeistert über die tolle Ware aus dem In- und Ausland, die wir nutzbringend aufbereiten konnten“, sagt Hans-Werner Mohrmann, der frühere Leiter der Briefmarkenstelle. Der Diakon erinnert sich auch an die vielen Treffen in Dülmen. „Mit einem Treppenlift haben wir dann die vollen Bananenkisten vom Dachboden nach unten gefahren“, erzählt Hans-Werner Mohrmann. Oder Hanns-Jörg Eckert brachte die Kisten selbst nach Bethel und lud dann gleich auf dem Parkplatz vor der Briefmarkenstelle zum Kaffee in sein Wohnmobil.

Für sein großes ehrenamtliches Engagement erhielt der Sammler 2010 auch das Bundesverdienstkreuz. „Da war Herr Pohl nicht ganz unschuldig dran“, schmunzelt Hanns-Jörg Eckert. Und hätte auf dem Glückwunschbrief von Pastor Pohl eine Marke geklebt, wäre auch diese bestimmt irgendwann wieder in Bethel gelandet.


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